Nach einem ausgiebigen Frühstück führt mich mein erster Weg zu Auto Guides. Ich gebe den Jungs zwei Stunden Zeit, in denen ich durch Pamjim ziehe und komme dann zurück, um zu erfahren, was los ist. Mein Techniker blickt mich mit ernster Mine an. "We have a big problem!". Er führt mich zu meiner Kleinen, die halb zerlegt in der Werkstatt steht und zeigt mir einen mit Riefen hässlich verunstalteten Kolben. Da ist nichts mehr zu machen, der Kolben in hin!Der ist in der Tat hin, aber wo ist das Problem, austauschen, geht natürlich auf Garantie.

"Ja schon", meint nun der Chef-Techniker, "aber wir haben das Ersatzteil nicht, kommt erst nächste Woche." Man könnte versuchen, irgendwo in Mapusa die Teile zu bekommen. Na gut, ich sehe noch immer nicht das Problem. "Das Teil müssen Sie selbst kaufen und wir sind nicht sicher, ob unser Chef breit ist, Ihnen das Geld zu erstatten."

Moment mal, das ist doch ein klarer Garantiefall. "Ja, aber wenn wir das Teil außerhalb kaufen, ist es teurer, und wer soll das tragen?" Ich will gerade ausrasten, als der Chef mich bittet, mit dem Besitzer zu reden, er müsste gleich zurückkommen. Ich vertrete mir ein wenig die Beine und nutze die Zeit, Herrn Rahim in Bombay anzurufen und ihn zu bitten, etwas zu unternehmen. Nach 30 Minuten bin ich wieder am Ort des Geschehens. Der Besitzer ist inzwischen eingetroffen und nach einem kurzen Gespräch einigen wir uns. Wenn das Teil zu beschaffen ist, wird er es einbauen lassen und alles über Garantie abrechnen. Na also, warum nicht gleich so?!

Seine Jungs fangen an zu telefonieren. Keiner sagt mir, was los ist, und selbst als ich, nachfrage, erhalte ich nur Ausflüchte. Ja, man habe das Ersatzteil in Mapusa gefunden, aber der Besitzer sei nicht da, und man wisse ja nicht, ich solle einfach abwarten.

Ich nehme ein Taxi zur Baga Beach. Dort hocke ich mich in ein Strandrestaurant und verputze ein "Vegetable stuffed Papad" und einen Black Coffee. Dann wandere ich durch das Hinterland, zwischen Hütten und Palmen hindurch. Nach zwei Stunden bin ich total erschöpft und steuere erneut ein Shack an. Bei Pete's kehre ich ein und trinke ein Sodawasser und ein Banana-Lassi. Als ich wieder bei Kräften bin, lasse ich mich von einem Taxi zur Coconut Beach bei Reis Magos bringen. Mit der Fähre setzte ich von Betim über nach Panjim und darf bei "Auto Guides" feststellen, dass die Maschine fertig ist und wieder perfekt läuft. Goa im NebelEine kleine Probefahrt bestätigt dies. Kostenpunkt: 70 Rs. zzgl. Einem Trinkgeld von 50 Rs. für meinen Techniker und 20 Rs. für den Boy, der das Bike gewaschen hat.

Ich kurve ein wenig durch Panjim, lasse in Miramar den Sonnenuntergang über mich ergehen, fliehe, als ein Trupp indischer Jugendlicher zielsicher auf mich zustrebt, mache mich im Hotel ein wenig frisch, esse zu Abend und beschließe den Tag mit Tagebuchschreiben. Gute Nacht.



Und damit geht auch meine erste Südindienreise mit dem Motorrad zu Ende. Zurück in Bombay bringe ich das Motorrad zu Premji's, die es für mich nach Deutschland verschicken. Ich selbst suche meinen Frachter, ein Containerschiff, und bin ein paar Tage später auf hoher See und auf dem Weg nach Hamburg.

Schon seit Tagen denke ich darüber nach, dass man Motorradreisen dieser Art für westliche Besucher organisieren müsste. Wenn ich noch ein- oder zweimal diese Tour mache, weiß ich genau, wo man hinfahren sollte und welche Strecken, Hotels und Gaststätten man meiden sollte. Manche böse Erfahrung, die mir meine Reise beinahe vermiest hätte, kann den anderen so erspart bleiben.

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