Mein Entschluss weiterzufahren hat sich über Nacht noch im wahrsten Sinne des Wortes "erhärtet". Ich habe furchtbar schlecht geschlafen, und jeder Knochen tut mir weh. Vielleicht könnte ich mich ja mit der Zeit sogar an diese Art Betten wieder gewöhnen, aber will ich das wirklich? Ich packe meine sieben Sachen und gehe runter zum Frühstück. "Toast with butter and jam", ein Glas Mangosaft und schwarzer Kaffee, ja, ohne Milch und auch ohne Zucker. Am Nachbartisch sitzt ein Kleinkind ohne Windeln und hat offensichtlich ein Problem, seine Schließmuskeln zu kontrollieren. Das Kind wird weggeschafft, der Haufen bleibt liegen. Angesicht des allgemeinen Sauberkeitszustands dieses Restaurants fällt es mir ohnehin schwer, einen Bissen runterzukriegen, und dann das noch! Nach einer Weile kommen die Eltern zurück, besorgen sich ein paar Blatt Zeitungspapier und wischen damit das Gröbste weg. Und das war's, keine weitere Reinigung. Ich überlege, worauf ich wohl sitzen mag, und beende das Frühstück.

Moschee hinter Palmen Die Rückfahrt durch den Ort geht schnell vonstatten, da die Massen noch nicht unterwegs sind. Bald bin ich auf dem NH17 nach Süden. Ich will nicht darüber nachdenken, wo ich heute hinfahre, und gebe einfach Gas. Die Straße ist ausgezeichnet. Soll ich's wagen? Jawohl, ich tu's. Mit sage und schreibe 80 Sachen "rase" ich an Indiens Westküste entlang mit Fernziel Mangalore.

Die Strecke gestaltet sich ähnlich wie gestern: Berge, Kurven, Ebenen, schnurgerade Asphaltpiste. Ich bin im Geschwindigkeitsrausch. Nur einige mir plötzlich entgegenkommende Busse und LKW reißen mich brutal aus meinen Träumen. Überholen ist Volkssport, je waghalsiger desto besser. Das wäre beinahe schief gegangen. Ich kann die Maschine gerade noch auf dem sandigen Seitenstreifen zum Stehen bringen.

KindertankwarteEine Stadt nach der anderen lasse ich hinter mir: Kumta, Bhatkal, Coondapoor, Udupi. Ich zögere kurz; hier wollte ich eigentlich Station machen, doch es rollt gerade so schön, also weiter: Mulki, Mangalore und dann bin ich in Kerala. Geschafft! In Kerala gibt es einen nützlichen Service, dass nämlich alle paar Kilometer auf Sehenswürdigkeiten und religiöse und weltliche Orte verwiesen wird, die einen Besuch wert sind. Auf einem Schild finde ich den Hinweis auf Fort Bekal. Ich schaue im Reiseführer nach und sehe, dass es dort auch Hotels gibt. Also auf nach Bekal! Insgesamt habe ich heute über 300 km zurückgelegt, bisherige Bestleistung.

Ich finde Bekal und nach einigem Hin und Her auch das Fort mit Tourist Info. Der nette Herr dort empfiehlt mir das "Fortland Tourist Home" in Udma, fünf km vor Bekal. Das Hotel ist bescheiden aber sauber und billig, 65 Rs. pro Nacht. Beim Abendessen treffe ich auch den netten Herrn von der Tourist Info wieder, er ist Mitinhaber des Hotels. Ich erfahre zudem, dass es auch A/C Rooms gibt für 450 Rs. und wechsele. Es ist nämlich extrem warm. Zum Dinner gibt es ein für Kerala typisches Gericht, Reis mit zwei Curries und etwas Gemüse, sehr lecker, sättigend und billig, incl. Mineralwasser und Cola 36 Rs.

Fort BekalDas Fort ist beeindruckend. In die Mauern sind zahllose Schießscharte eingelassen, die jeweils den Blick auf einen kleinen Ausschnitt der Küste geben. Man kann sich gut vorstellen, dass Angreifer keine Chance hatten, die Festung einzunehmen. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass die Außenmauern des Fort weitgehend erhalten sind. Die Innengebäude sind allerdings völlig zerstört. Wahrscheinlich hat die anliegende Bevölkerung die Steine für den eigenen Hausbau verwendet.

Leider gibt eines meiner Objektive seinen Geist auf, ausgerechnet das mit dem mittleren Brennweitenbereich, das ich am meisten benutze. Ich befürchte, meine gesamte Fotoausrüstung muss nach der Reise generalüberholt werden. Soviel Staub hält das beste High Tech Equipment nicht aus.

zurück Ende weiter