
Morgens nach Frühsport und Frühstück eMails abgeholt und verschickt. Dann nach Panjim. Unterwegs ein paar Fotos von Kirchen gemacht. Diese Kirchen in Goa machen richtig süchtig.
Auf dem Weg zu "Auto Guides" treffe ich den Mechaniker und schildere mein Problem: sobald ich vom Gas gehe, geht die Maschine aus. Ich soll um 14:00 Uhr wieder kommen, jetzt würde geschlossen. Aber wir haben doch erst kurz nach zwölf, so mein Einwand. Trotzdem, er sei ganz alleine und jetzt ginge es nicht.
Nun gut. Ich vertreibe mir die Zeit und pünktlich um 14:00 stehe ich bei Auto Guides auf der Matte. Die Jungs haben noch ihre Mittagspausenklamotten an. Jetzt aber mal schnell umgezogen.
Der Techniker behauptet, die Ursache des Problems sei die Zündkerze und wie wild schmirgelt er an ihr herum. Ich glaube das nicht und frage, ob er nicht mal den Vergaser richtig einstellen wolle. Nein, damit habe das nichts zu tun. Als er fertig geschmirgelt hat, geht das Bike auf den Waschplatz. Fast eine Stunde wird daran herumgeputzt.
In der Wartezeit lerne ich Walter kennen. Er hält sich mit kleineren Unterbrechungen seit 1996 in Indien auf und bereist das Land mit unterschiedlichen Fahrzeugen. Derzeit fährt er die neue Enfield, ein 535er Möchtegernchopper namens Lightning. 1996 hat er sich auch eine 350er geholt und war damit sehr zufrieden. Nur ganz zu Anfang, nach 1200 km, sind ihm zwei Kolbenringe verreckt und das Teil hat mit einem Kolbenfresser seinen Geist aufgegeben. Aus diesem Grunde, so Walter, hält er sich bei der Neuen nicht mehr an die Einfahrvorschriften, und bis jetzt kommt er damit gut voran.
Das Problem, das ihn zu Auto Guides führt, ist eine defekte Lichtmaschine oder Regler. Jedenfalls wird die Batterie nicht aufgeladen. Die Mechaniker wollen das aber einfach nicht zur Kenntnis nehmen und behaupten, alles sei in Ordnung. Da sich Walter nach so langem Indienaufenthalt zum Prinzip gemacht hat, sich weder zu ärgern noch zu schimpfen, bleibt er ganz ruhig und beharrt auf seinem Standpunkt. Als ich die Werkstatt verlasse, sitzt er noch immer mit strahlendem Gesicht im Büro des Managers und so weiß ich leider nicht, wer schließlich gewonnen hat.
Am Straßenrand erregen zwei Männer mit einer Eisensäge meine Aufmerksamkeit. Sie sitzen barfüßig auf beiden Seiten eines dicken Eisenrohrs von etwa 20 cm Durchmesser und mindesten 10 mm Wandstärke. Es werden neue Wasserleitungen verlegt, und das Rohr muss in der Länge angepasst werden. "Wie lange sägen die denn schon?" frage ich einen der Werkstattarbeiter. Mindestens schon zwei Stunden. Als ich fahre, also 1 1/2 Stunden später scheinen sie gerade fertig. Sie haben das Rohr rundherum angesägt. Der eine führt nun eine Eisenstange in das kürzere Ende, wuchtet das Rohr damit hoch und lässt es mit Gewalt auf den Boden fallen. Dies wiederholt er fünf-, acht-, zehnmal, bis mit einem Mal das Rohr tatsächlich an der gewünschten Stelle auseinander bricht.
Mein Moped ist inzwischen gewaschen und befindet sich auf einer Probefahrt. Ich habe gesehen, dass der Techniker doch die Vergasereinstellung geändert hat. Das gibt er aber nicht zu. Endlich ist alles bereit, und ich fahre wieder nach Hause. Wirklich fährt die Maschine viel besser. Nur ein Problem ist noch nicht gelöst: der Tankdeckel ist immer noch undicht. Auf der Fahrt halte ich bei mehreren "Spare-Part-Shops" an, eine passende Dichtung gibt es aber nicht. Ich kaufe schließlich eine, die so einigermaßen hinkommt. Der Sprit suppt aber immer noch raus, nur etwas langsamer, und löst unaufhaltsam den Lack am Tank auf.
Zurück im Hotel führt mich mein erster Gang zur Rezeption. Ist der Brief mit den Papieren angekommen. "No, Sir, no letter for you!". Also führt mich der zweiter Gang zum Communication Center. In Bombay bleibt man dabei, die Unterlagen seien rausgegangen. Mr. Rahim verspricht nachzuforschen, wo die Sendung steckt, und will mich gleich zurückrufen. Ich eile in mein Zimmer. Nach einer Stunde hat noch immer keiner angerufen. Also wieder zum Telefonladen. Ja, man warte auf eine Rückmeldung aus Goa, wolle jetzt aber selbst nochmal anrufen und sich sofort wieder melden. Nach einer weiteren Stunde: nichts. Ich gehe sicherheitshalber zur Rezeption. Kein Anruf. Also erst mal Essen fassen. Danach, noch immer kein Anruf. Ich verlängere meinen Aufenthalt um einen weiteren Tag. Das sei kein Problem, beruhigt mich der Manager, er habe den Raum ohnehin bis zum 24. für mich reserviert. Na so was!?
Zurück im Zimmer klingelt das Telefon. Endlich, Rahim hat angerufen. Ich spurte zurück zur Rezeption, immerhin 70 steile Stufen hinauf. Dort liegt die Nachricht, ich solle Herrn Mahesh von "Origin Couriers" anrufen. Freundlicherweise übernimmt das der Mann von der Rezeption für mich und so erfahre ich, dass die Unterlagen morgen um 14:00 hier sein werden.
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