Vormittags widme ich mich dem Studium meines ZEN Buches, dann marschiere ich zum Strand. Ich will braten. Nach zwei Stunden bin ich rot wie ein Puter, hat aber Spaß gemacht. Ich fahre zu einem Restaurant in Anjuna und esse einen Kokus-Pfannkuchen. Nicht schlecht, aber auch nicht überwältigend. Anschließend fahre ich nach Panjim. Ich will mich doch schon heute um das neue Nummernschild und um Ersatzschlüssel kümmern.

Im Büro von "Auto Guides" sitzt ein Mann, der mich freundlich fragt, was mir auf dem Herzen liegt. Die KFZ-Nummer wird aufgemaltIch halte ihn für einen Angestellten und erkläre ihm, dass ich neue Nummernschilder brauche. Er ist sofort bereit, mir zu helfen. Zusammen fahren wir zunächst zu einem Schildermaler. Er erreicht, dass mein Auftrag bevorzugt ausgeführt wird. Ein Mitarbeiter wird von seiner Arbeit abkommandiert und macht sich an meine Schilder.

Derweil gehen mein Begleiter und ich auf die Suche nach einem Schlüsselmacher. Nach mehrmaligem Fragen finden wir eine Adresse. Eine normale Wohnung auf der dritten Etage eines ziemlich heruntergekommenen Wohnhauses. Die Klingel funktioniert nicht. Wir klopfen. Keine Reaktion. Der Mensch muss da sein, da das Vorhängeschloss an seiner Türe geöffnet ist. Ein weiterer Kunde kommt die Treppe herauf. Wieder Klopfen. Nachbartüren werden neugierig geöffnet, Ratschläge erteilt. Vom Schlüsselmacher keine Spur. Nach einer Viertelstunde geben wir auf.

Erneutes Befragen der anliegenden Geschäfte und Werkstätten. Der Schlüsselmacher von PanjimNein, das ist der einzige Schlüsselmacher in ganz Panjim. Oder? Doch, da gibt es noch einen. Wo? Hier, gleich in diesem Haus, vor dem wir stehen.

Erste Etage. Ein winziger Eingang zu einer Wohnung, zugestellt mit Kisten, die überquellen von alten Zeitungen und sonstigem Papiermüll. Auf dem Boden in der äußersten Ecke kauert ein Mann. Ja, er könne jeden Schlüssel anfertigen. Ja, auch für eine Bullet. Er nimmt meine Originale und verschwindet damit. Nach fünf Minuten taucht er mit drei Rohlingen wieder auf und macht sich ans Werk. Sein Handwerkszeug: ein kleiner Schraubstock, ein Zirkel und eine Handvoll Pfeile. Aus freier Hand beginnt er mit der ersten Kopie. Wir sollen nach 15 Minuten wiederkommen.

Mein Helfer, ich weiß inzwischen dass er Agnelo heißt und übrigens mit der Werkstatt nichts zu tun hat, sondern dort nur Papiere abholen sollte, fragt mich unterdessen, ob ich ihn mit nach Mapusa nehmen kann. Natürlich willige ich ein. Er eilt zu "Auto Guides", um dort die Unterlagen zu holen, die er in Mapusa bei der Polizei abgeben soll. Ich gehe zum Schildermaler und bin bass erstaunt ob der Akkuratesse, mit der der Maler aus freier Hand, nur mithilfe eines Pinsels und eines Stocks, auf dem er seine Hand abstützt, meine Nummer wie gedruckt auf die Schilder aufbringt. Nach kurzer Zeit ist er fertig. Das Werk kostet 50 Rs (ca. 2,25 €). Unglaublich!

Zurück zum Schlüsselmann. Die erste Kopie ist fertig. Leider passt sie nicht. Ich hole die Originale und schaffe die Enfield zum Ort des Geschehens in der vagen Sorge, dass noch zahlreiche Tests erforderlich sind. Nach etwa einer Stunde sind alle drei Schlüssel fertig. Ich probiere sie aus. Schlüssel eins, passt, Schlüssel zwei, passt auch und der für den Benzinhahn erfüllt auch alle Erwartungen. Zwei der Schlüssel ziert zwar die Aufschrift "Yamaha" aber was soll's, gerne löhne ich meine 125 Rs.

Für Agnelo ist es nun doch zu spät nach Mapusa zu fahren. Er verschiebt die Operation auf den nächsten Morgen. Statt dessen gehen wir einen Kaffee trinken. Er lädt mich ein, zu ihm nach Palolem zu kommen, ich könne dort bei ihm wohnen und ein paar schöne Urlaubstage verbringen. Ich sage unverbindlich zu, und er gibt mir seine Telefonnummer.

Ein spannender Nachmittag. Auf der Rückfahrt mache ich bei meinem Internet-Cafe halt und frage nach Disketten. Ich möchte ein paar Fotos von meinem Laptop ins Netz stellen. Er hat keine Disketten und kriegt auch keine. Ich bitte ihn mir eine aus seinem privaten Vorrat zu verkaufen. Darauf lässt er sich ein, allerdings zu einem totalen Wucherpreis: 30 Rs. Aber was soll's, jetzt habe ich wenigstens eine Diskette und kann ein paar Bilder verschicken.

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