
What a day!!! Wie immer bin ich schon früh auf den Beinen, gehe kurz zum Strand und mache dort ein wenig Gymnastik, frühstücke auf dem Zimmer und mache mich dann auf. Mein Ziel: die "Dudhasagar Waterfalls".
Zunächst geht's nach Panjim und von dort nach Old Goa. Ich beschließe gleich weiterzufahren nach Ponda.
Die Fahrt ist furchtbar. Völlig durchgeknallte LKW-Fahrer beherrschen das Geschehen. Ich sehe insgesamt drei Unfälle, zwei LKW liegen im Straßengraben, beim dritten kann ich nicht erkennen, was passiert ist. Zu viele Menschen drängen sich um die Unfallstelle.
Ich beschließe, die Hauptstraße NH4A zu verlassen, und finde tatsächlich eine Nebenstrecke über Bethora und Dabal. Von da muss ich nach Darbandora und wieder auf die NH4A. Hier ist es jedoch schon erheblich ruhiger.
Ich komme nach Molem und entdecke zu meiner Freude eine Tankstelle. Es ist zwar noch nicht sehr dringend, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Der Tankwart kommt auch gleich angeeilt, seine Botschaft ist jedoch alles andere als angenehm. Das Benzin ist alle und die nächste Tankstelle in Ponda. Nein danke, nicht wieder dahin zurück. Ich fordere das Schicksal heraus und fahre weiter Richtung Colem. Dort angekommen, weist man mir den Weg zum Wasserfall.
Ich finde die richtige Straße und will gerade aufdrehen, als meinem Tatendrang ein jähes Ende gesetzt wird. Die Straße endet am Ufer eines Flusses und geht auf der anderen Seite als Sandweg weiter. Ich frage einen Inder, der mit seinem Fahrrad unterwegs ist, ob es keinen anderen Weg gibt. Nein, nur diesen, aber das Wasser sei nicht so tief, da käme ich mit meiner Enfield durch. Also los. Schuhe aus, Hose hoch, und hinein ins kühle Nass. Die Flussdurchquerung gestaltet sich in der Tat recht problemlos. Drüben Schuhe wieder an und weiter.
Ein paar Kurven später ein erneuter Stopp. Jetzt geht's um Geld. 10 Rs. pro Person, 30 für das Bike und weitere 30 für die Kamera. Ich erfahre, dass heute ca. 200 Besucher per Jeep zum Wasserfall unterwegs sind. Der Kassierer rät mir, zuerst zum Devil's Canon zu fahren, da führen die meisten nicht hin. Dort könnte ich bei absoluter Ruhe, nur von Vogelgezwitscher unterbrochen, abwarten, bis die Massen weg sind und dann zum Wasserfall weiterfahren.
Der Tipp war Gold wert. Die Teufelsschlucht ist zwar nicht so teuflisch wie andere, ähnliche Naturereignisse, aber das mit der Ruhe stimmt, und auch Touristenscharen lassen sich hier keine blicken. Nach einer ausgedehnten Ruhepause im Schatten einiger Bäume setze ich meine Fahrt fort.
Der Weg ist unbeschreiblich. Sandstrecken wechseln sich mit Geröllphasen ab. Dazwischen extreme Steigungen und Gefälle. Die Enfield springt wie ein junges bockiges Pferd. Schlummert in ihr etwa heimlich eine Enduro? Mir haut's fast das Rückgrat durch, das Bike hält sich tapfer. Immer wieder durchqueren oder folgen wir ausgetrockneten Bachläufen. Diese Strecken sind am anstrengendsten, da die runden, glatten Kiesel den Reifen kaum Halt bieten. Hin und her werden wir geworfen und manchmal zweifele ich, ob wir am anderen Ufer überhaupt noch die steile Böschung unbeschadet hoch kommen.
Dann wieder der Fluss. Ich erinnere mich an die problemlose Durchquerung beim ersten Mal und gehe die Aktion zuversichtlich an. Diesmal ist das Wasser aber erheblich tiefer. Der Auspuff verschwindet unter der Wasseroberfläche. Ich gebe kräftig Gas und die Bullet antwortet mit einem dumpfen Blubbern. Wir kommen ziemlich ins Schwanken, und mittendrin bin ich mir nicht sicher, ob wir hier wieder heil rauskommen. Die faustgroßen, glitschigen Kiesel geben nach, und die Maschine gräbt sich tiefer ins Flussbett. Ich helfe mit den Füßen nach. Das hilft. Wir haben wieder Griff. Eine letzte Anstrengung - die andere Seite ist erreicht. Das Ganze waren zwar höchstens 20 Meter, aber die hatten es in sich.
Weiter geht's. Sand, Steine, Steigung, Gefälle, Flussbetten. Immer wieder begegnen uns zurückfahrende Jeeps vollgeladen mit Touristen, die mich und mein Moped ungläubig anstarren. "Will der da lang?" Noch ein drittes Mal geht's durch den Fluss, der ist hier aber schon erheblich schmaler, und wir kommen ohne Probleme auf die andere Seite. Wenig später sind wir am Ziel. Nur noch 50 Meter zu Fuß trennen mich von den Dudhasagar Falls. Sie sind schon jetzt recht imposant, und ich kann mir bildhaft vorstellen, dass sie während des Monsuns wirklich beeindruckend sind. Ich bleibe eine Weile und freue mich auf die Rückfahrt. Auch ohne Wasserfälle war dies ein unvergesslicher Ausflug.
Bei den drei Flussdurchquerungen habe ich mir die Füße ziemlich aufgehauen. Deshalb entscheide ich, die Schuhe nicht mehr auszuziehen. Sollen sie doch nass werden, sie haben ohnehin eine Reinigung nötig. Die erste Durchfahrt klappt prima. Ohne anzuhalten geht's zügig durchs Wasser. Das will ich bei der zweiten auch probieren. Mit Schwung schieße ich ins Nass.
Da schlägt mir eine gewaltige Welle ins Gesicht und das Bike fängt wie verrückt an zu schwanken. Beinahe stürze ich. Vor lauter Schreck vergesse ich ausreichend Gas zu geben, und es passiert, was passieren musste, das Moped säuft ab. Ich stehe mitten im Fluss, halb unter Wasser. Ich male mir die furchtbarsten Dinge aus, versuche aber erstmal, das Teil ins Trockene zu schieben. Ein ganzes Stück komme ich voran. Der Schalldämpfer ist wieder fei. Dann wird es zu steil. Zum Glück biegt in diesem Moment ein Jeep um die Ecke. Der indische Beifahrer springt sofort heraus, krempelt sich die Hose hoch, und gemeinsam bringen wir die Maschine ans rettende Ufer. Dreimal treten und die Bullet bullert wieder ihr wunderbares Lied. Ein herzliches Dankeschön, und ich setze meine Fahrt fort.
Nur noch einmal durch den Fluss, diesmal mit Vorsicht und es ist geschafft. Die Rückfahrt gab nichts Besonderes mehr her. Ich komme mit dem Sprit noch bis kurz vor Panjim, wo ich das Motorrad und den Mann betanke. Zwei Züge, und die Cola ist tot.
Zurück im Hotel konsultiere ich als erstes die Dusche. Rotbraune Brühe. Dann rufe ich in Bombay an. Aha, meine neue KFZ-Nummer ist bekannt, die Unterlagen wurden aber erst heute auf den Weg geschickt und sollen Mittwoch ankommen. Also noch zwei Tage Vagator. Ich gehe in ein Internet-Cafe und checke meine eMail. Die Beantwortung der Mails verschiebe ich auf den nächsten Morgen, das Netz ist um diese Zeit einfach zu langsam.
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