Soeben bin ich Opfer meiner Leichtfertigkeit geworden. Ich habe ein Foto von meiner Maschine vor dem Bungalow, in dem ich wohne, machen wollen. Zu diesen Zweck musste ich das Motorrad drehen und dafür aufschließen. Da mich der Schlüssel beim Fotografieren störte, habe ich ihn kurzerhand ins Zündschloss gesteckt, das Foto gemacht und wollte eigentlich gleich losfahren. Ich gehe ins Zimmer, hole meine Sachen, komme wieder nach draußen und muss feststellen, dass der Schlüssel verschwunden ist. Ich frage den Wärter vom Sicherheitsdienst. Die Enfield vor meinem Bungalow in Vagator. Mit diesem Foto fing der Ärger an.Nein, er hat nichts gesehen! Der Uniformierte schickt mich zur Rezeption. Dort steht noch ein Wachmann. Ich erzähle ihm die Story, er verweist mich an den Diensthabenden an der Rezeption. Dieser meint nur: "Geben Sie mir fünf bis zehn Minuten". Dann erscheint eine Art Geschäftsführer. Er hört sich die Geschichte an und scheint mich für ziemlich verrückt zu halten, dass ich den Schlüssel überhaupt habe stecken lassen. Er telefoniert mit dem Sicherheits-Offizier und schickt mich zurück auf mein Zimmer. Nach ein paar Minuten kommt der Security-Mann, hört sich meine Geschichte erneut an und schüttelt auch nur den Kopf über so viel Dummheit, den Schlüssel stecken zu lassen. Außerdem weist er mich darauf hin, dass es verboten sei, Fahrzeuge am Haus zu parken, dafür stünde ein bewachter Parkplatz am Tor zur Verfügung.

Nachdem ich mich ein wenig beruhigt habe und im Übrigen die Putzfrau naht, um das Zimmer zu reinigen, breche ich zu einer Tour auf. Zum Glück habe ich einen Zweitschlüssel für die Enfield. Ein genaues Ziel habe ich nicht, dafür bin ich noch viel zu verärgert. Ich möchte am liebsten in den Lenker beißen, obwohl das wohl kaum Abhilfe schaffen würde.

Ich fahre zunächst nach Mapusa und von da auf dem NH17 gen Norden. Eigentlich will ich Richtung Aldona abfahren, um auf dem Weg dorthin Fotos von der Kirche "Our Lady of Miracles Church" zu machen. Als ich mich plötzlich auf der Brücke über den Chapora-Fluss befinde, weiß ich, dass ich die Abfahrt nach Aldona verpasst habe.

Zufällig sehe ich auf der Karte, dass es ein wenig weiter nördlich eine Abfahrt zu einer kleinen Strasse zum Alorna-Fort gibt. Ich finde die Abfahrt - ob es die richtige ist, kann ich nur hoffen - und fahre ein ganze Weile durchs Land, vorbei an leuchtend grünen Reisfeldern und durch kleine, verschlafene Örtchen. Nach unzähligen Malen Fragen und eben so vielen Richtungswechseln erreiche ich schließlich das Fort. Viel ist davon nicht mehr erhalten. Ich raste ein wenig im Schatten und mache mich dann auf den Rückweg.

Der ist viel einfacher zu finden, es geht seltsamerweise jetzt fast nur geradeaus. In einem winzigen Dorf finde ich eine relativ große Kirche. Ich halte an um ein paar Fotos zu machen. Ein kleiner Junge entdeckt mich und trommelt sofort seine Freunde zusammen. Einheimische versammeln sich um meine EnfieldBald bin ich von einer riesigen Schar Jungen und Mädchen umzingelt, die dieses komische Objekt aus einer anderen Welt bestaunen. Kurz darauf gesellt sich ein Erwachsener dazu. Er spricht ein paar Brocken Englisch und so kommt es zu der typischen Konversation. "Where do you come from?" "What is your name?" "How do you like India?" Ich muss alle fotografieren, was ich gern tue, da ich nun zu meinem Foto "Enfield umringt von Einheimischen" komme. Später eilt noch die Dorfschöne hinzu, und auch von ihr muss ich zwei Fotos machen, da sie mit dem ersten Ergebnis nicht zufrieden war.

Zurück im Hotel. Gegen 16:30 mache ich mich auf, um den kleinen Fischerhafen zu besuchen, den ich gestern vom Chapora-Fort aus gesehen habe. Dazu muss ich zunächst rauf zum Fort und auf der anderen Seite wieder runter. Der Aufstieg ist sehr mühsam, aber die Szenerie im Hafen entschädigt mich aufs Großzügigste. In tausend Farben bieten sich die Boote dem Auge des Betrachters dar. Emsig eilen die Fischer mit hochbeladenen Körben auf den Köpfen von den Schiffen und laden das Fanggut in bereitstehende Lastwagen. Immer mehr Fischerboote fahren in den Hafen. Wie ein GemäldeDie ersten Händler beginnen Fische, Krabben und Krebse feilzubieten. Eine große Käuferschar, zumeist Einheimische - den gekauften Mengen nach zu schließen tippe ich auf Restaurantbesitzer oder deren Angestellte - begutachtet die Ware und feilscht um jede Gräte. Nur wenige Ausländer befinden sich unter den Besuchern, dafür aber zahlreiche indische Touristen.

Es gelingt mir ein paar brauchbare Aufnahmen zu machen. Die Farben sind prächtig. Das Ganze wirkt wie ein großes Gemälde, das nur darauf wartet abfotografiert zu werden. Nach etwa 1 1/2 Stunden wird es ruhiger. Ich schlendere am Strand entlang in die Richtung, in der ich das Dorf vermute. Ein paar Männer sitzen am Boden und flicken die Fischernetze, andere ruhen sich einfach vom anstrengenden Tagewerk aus. Eine sehr friedliche Atmosphäre. Ich folge den engen sandigen Gässchen und erreiche schließlich eine asphaltierte Strasse.

Doch was ist das? Das kann doch nicht wahr sein. Hier reiht sich ein Touristenladen an den nächsten, Verkaufsstände mit Souvenirs, Cafes, Restaurants, kreischend laute indische "Bollywood"-Filmmusik, und überall wimmelt es nur so von westlichen und indischen Pauschal-Reisenden. Das passt nun so gar nicht zu meiner Stimmung, und ich mache mich schnell auf den Heimweg.

Auf dem Berg, über den ich wieder hinüber muss, verweile ich, bis die Sonne untergegangen ist. Ein wunderschöner Sonnenuntergang!

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